Exklusiv bei uns: Pastor Paweł Chojecki: Ich werde gegen das Urteil Berufung einlegen. Die größten Opfer sind hier die Polen!

249

Pastor Paweł Chojecki wurde heute unter anderem wegen Verletzung religiöser Gefühle von Katholiken und Beleidigung von Präsident Duda zu 8 Monaten Freiheitsbeschränkung in Form von gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Heute kündigte er in der Live-Sendung des Idź Pod Prąd TV an, eine Berufung einlegen zu wollen. – Der größte Schaden, den dieses Urteil angerichtet hat, ist, dass es bereits in die Welt hinausgegangen ist. Ich wurde vor ganz Polen gedemütigt und stigmatisiert. Polen sind die größten Opfer, nicht ich. Es ist unsere Freiheit, die verletzt wurde! – kommentierte der Chefredakteur von Idź Pod Prąd TV.

Eunika Chojecka: Wie hast du auf das heutige Urteil reagiert?

Pastor Paweł Chojecki: Ich war darauf vorbereitet, aber ich fühlte Traurigkeit, als ich es erfahren habe. Das ist eine sehr wichtige Botschaft für jeden Polen – nicht nur für mich. Es mag seltsam klingen, es ist ein Privileg für mich. Ich bin Christ seit der kommunistischen Zeit, ich habe mich 1986 bekehrt (…) dann hatte ich Angst, von der Staatsanwaltschaft, dem SB (Staatssicherheit) oder den Gerichten verfolgt zu werden. Gott sei Dank ist es nicht passiert. Jetzt, in einem vermeintlich freien Polen, werde ich nicht nur vor Gericht gezerrt, sondern auch verurteilt. Ich glaube, Christen kennen das Zeugnis des Apostels Paulus im neunundzwanzigsten Vers des ersten Kapitels vom Brief an die Philipper.

Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden.“

Ich habe noch nie erlebt, dass der polnische Staat mich für meinen Glauben und meine Worte bestraft hat. Vermutlich ist in Polen bisher kein Geistlicher wegen Kritik an den Dogmen einer anderen Kirche verurteilt worden. Da Gott mir die Rolle des Ersten zugewiesen hat, akzeptiere ich sie. Auch an diejenigen, die die katholische Kirche und die PiS-Regierung kritisieren, hat der Richter ein klares Signal gesandt – achtet sehr auf eure Worte, denn ihr werdet mein Schicksal teilen – es wird Gruppen von Hatern geben, die eure Aussagen verfolgen werden, dazu wird auch die Staatsanwaltschaft politisch von Minister Ziobro angeleitet und, wie ihr sehen könnt; es wird eine Verurteilung geben. Es ist auch sehr seltsam, dass der Richter in der Begründung sagte, dass diese Strafe mich dazu bringen sollte, die Art und Weise der Darstellung meiner Dogmen zu überdenken. Ich verstehe seine Aussage dahingehend, dass ich meine christlichen Überzeugungen überdenken muss und frage mich, wie die Polen reagieren werden. Ist es wirklich Aufgabe des Gerichts, die Dogmen des Glaubens der Polen zu formen?

Es ist in der Tat ein Tag des Triumphes für meine Feinde, die mich und meine Familie, seit Jahren zerstören. Einige von ihnen kenne ich persönlich, sie waren früher in meinem Haus und ich habe ihnen das Evangelium verkündet. Ich hoffe, dass sie jetzt sehen, was sie nicht nur mir, sondern auch Polen angetan haben – sie legten sich selbst einen Maulkorb an, denn die Einschränkung der Freiheit wird auch für sie gelten. Ich hoffe auf eingehende Reflexion, vielleicht ihre Bekehrung (…)

Auch wenn dieses Urteil in einer höheren Instanz aufgehoben wird, ist es schon in die Welt hinausgegangen. Ich wurde vor ganz Polen gedemütigt und stigmatisiert. Das kann man nicht rückgängig machen, selbst wenn das nächste Gericht dieses Urteil ändert. Polen sind die größten Opfer, nicht ich. Es ist unsere Freiheit und unser Land ist in Schande.


Auch wenn dieses Urteil in einer höheren Instanz aufgehoben wird, ist es schon in  die Welt hinausgegangen. Ich wurde vor ganz Polen gedemütigt und stigmatisiert.      Das kann man nicht rückgängig machen, selbst wenn das nächste Gericht dieses Urteil ändert. Polen sind die größten Opfer, nicht ich. Es ist unsere Freiheit und unser Land ist in Schande – konkludierte Pastor Paweł Chojecki.


 

Im Folgenden präsentieren wir Kommentare zum Urteil im Prozess gegen Pastor Paweł Chojecki aus der heutigen Sendung Idź Pod Prąd LIVE.

Rechtsanwalt Andrzej Turczyn, Verteidiger von Pastor Paweł Chojecki:

Es ist kein Tag des Triumphs, der Zufriedenheit, sondern ein Tag der Reflexion über den Inhalt dieses Urteils. Persönlich stimme ich diesem Urteil nicht zu, ich bin enttäuscht, es tut mir leid und ich bin traurig. Ich denke, es wird eine Fortsetzung dieses Falls geben, aber (…) ich denke, dass ich ziemlich viel an diesem Fall gearbeitet habe, und nachdem ich mir die mündliche Erörterung der Motive angehört habe, mit denen der berichterstattende Richter das Urteil begründet hatte, bin ich enttäuscht, dass der Richter in keiner Weise auf diese harte Arbeit, die Argumente, welche ich in meinen, ich betone, 54 Schriftsätzen, vorgebracht habe, die zu dem Fall vorgelegt wurden, Bezug genommen hat und dass er sich weitgehend darauf beschränkte, die aus der Anklageschrift hervorgehenden Thesen zu wiederholen.

Ich möchte, dass die mündliche Begründung des Urteils, die heute in Lublin ergangen ist, öffentlich zugänglich ist. Damit alle interessierten Polen lesen können, was der berichterstattende Richter ursprünglich darüber gesagt hat, warum er Paweł Chojecki verurteilt. Ich denke, dass sie das vielleicht etwas schockieren wird. Dieses Urteil wird Auswirkungen auf das haben, was in Polen gesagt werden kann. Ich denke, die Polen sollten erfahren, dass Zeiten kommen, in denen es nicht möglich sein wird, zu sagen, was man denkt.

Rechtsanwalt Michał Hara, Leiter der Abteilung Legislative und Systemische Angelegenheiten im Büro des Menschenrechtsverteidigers:

Wenn überhaupt kein religiöses Gefühl verletzt wurde, dann gibt es überhaupt kein Verbrechen. Dies ist der Schlüssel dieses Gesetzes. Auch wenn der Gegenstand des Kultes öffentlich beleidigt wurde, aber im Zusammenhang damit keine religiösen Gefühle verletzt wurden, liegt die Straftat überhaupt nicht vor – es fehlen die Voraussetzungen des Art. 196 des Strafgesetzbuches (…)

Ich denke, es ist zu früh, über die möglichen Folgen dieses Urteils zu sprechen. Mir ist klar, wie der Pastor das Urteil versteht, aber man sollte in Erinnerung behalten, dass dieses Urteil nicht rechtskräftig ist und der Pastor im Lichte des Gesetzes ein unschuldiger Mann ist. Nur eine rechtskräftige gerichtliche Entscheidung, eine Verurteilung, bricht die Unschuldsvermutung.


Man sollte in Erinnerung behalten, dass dieses Urteil nicht rechtskräftig ist und der Pastor im Lichte des Gesetzes ein unschuldiger Mann ist – betonte Michał Hara vom Büro des Menschenrechtsverteidigers


 

Prof. Krzysztof Kilian, Institut für Ontologie und Kognitive Theorie, Universität Zielona Góra, Verfasser des Gegengutachtens zum Gutachten im Prozess gegen Pastor Chojecki:

Soweit ich weiß, gibt es keine Sachliteratur, die religiöse Gefühle definiert. Wenn sie nicht definiert werden, ist es schwierig, darüber zu sprechen, was gekränkt oder nicht gekränkt wurde. (…) Es gibt genau eine Definition unseres Obersten Gerichtshofs, die religiöse Gefühle als psychischen Zustand definiert. Die Frage ist, wie kann man die psychischen Zustände anderer Menschen verletzen? Psychische Zustände sind physikalisch-chemische Prozesse, also noch besser. (…) Ich habe arterielle Hypertonie – da laufen einige physikalisch-chemische Prozesse ab und was – kann das auch beleidigt werden oder nicht? Wie ist das? (…) Im Grunde kann jedem so etwas vorgeworfen werden. Dies ist eine sehr gefährliche Prozedur.

Der ehemalige Priester Jerzy, diente während des Pontifikats von Papst Johannes Paul II:

Als ich den Verlauf dieses Prozesses verfolgte, bemerkte ich einerseits die seichten, trüben Begründungen der Hilfsstaatsanwälte und damit einhergehend auch der Staatsanwaltschaft, andererseits sah ich jedoch sehr starke Argumente, wie Andrzej Turczyn sagte – 54 Schriftsätze an das Gericht – sehr starkes Material von der Verteidigungsseite von Pastor Chojecki. Dies zeigt ein Missverhältnis.

Mikołaj „MIKSER“ Mądrzyk, Rapper, Philosoph:

Mir scheint, dass es im Interesse eines jeden Menschen liegt, für die Wahrheit zu kämpfen. Selbst wenn wir in einer Sache falsch liegen, werden wir nie wissen, wer Recht hat, wenn wir nicht argumentieren können. Ich habe mich entschieden, Pastor Paweł zu unterstützen, denn morgen, übermorgen, in einem Monat kann diese Angelegenheit jeden von uns betreffen und kann sich nicht nur um religiöse Gefühle, sondern auch um jeden anderen Lebensbereich drehen, denn warum nicht ? Auf solche Dinge muss man reagieren. (…) Sehen Sie, die Argumente der Ankläger sind schwach, fehl am Platz, sehr allgemein und ich persönlich sehe hier bösen Willen, sonst nichts. Ich hatte gehofft, der Richter würde einfach Mut zeigen.

Der gerührte Pastor @PawelChojecki dankt für die Unterstützung im Prozess! Heute hat das Bezirksgericht in Lublin ein Urteil gefällt. Der Pastor wurde zu acht Monaten Freiheitsbeschränkung verurteilt. MEHR: https://youtu.be/JimQvGTXTkI #IPPTV #SupportPastorChojecki #ProcessDesPastors

Wie geht es weiter? Pastor Paweł Chojecki beendete die Sendung von Idź Pod Prąd TV LIVE:

Vielen Dank an alle, die in dieser Zeit bei mir waren. Meine Familie, die Redaktion und auch ihr. Die Kampagne #SupportPastorChojecki besteht doch aus mehreren hundert Personen, vielen E-Mails. Das ist eine großartige Erfahrung, ich weiß, wir gehen in eine schwarze Nacht. Das ist das Signal: Maul halten!

Und jetzt stellt sich die Frage: Sind Polen freie Menschen? Das ist alles was ich zu sagen habe.

Es wird eine Berufung geben, der Kampf ist damit noch nicht beendet und wir hoffen auf ein faires Urteil. Nein, es ist nicht genug. Wir hoffen auf ein freies Polen. Es geht nicht um mich.

Sehen Sie sich das Video an: Wer ist Pastor Paweł Chojecki wirklich? (ENG)